Steuerberater:in werden in Österreich: Welches Studium Sie wirklich brauchen
Für die Steuerberatung brauchen Sie in Österreich ein facheinschlägiges Studium mit mindestens 180 ECTS (also einen Bachelor) plus 18 Monate Praxiszeit als Berufsanwärter:in bis zur Fachprüfung. Einen Master brauchen Sie nicht, über den Bilanzbuchhalter-Weg geht es sogar ganz ohne Studium. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob Ihr Studium reicht, sondern wie gut es Sie auf vier sehr spezifische Klausuren vorbereitet und wie viel Zeit es Sie kostet. Genau das klärt dieser Ratgeber.
Inhalt · 10 Kapitel
- Welches Studium verlangt das Gesetz für Steuerberater:innen in Österreich?
- Welche Studienrichtung passt am besten zur Fachprüfung?
- Können Sie Steuerberater:in werden, ohne zu studieren?
- Warum sollten Sie schon während des Studiums Berufsanwärter:in werden?
- Welche Lehrveranstaltungen bereiten wirklich auf die Fachprüfung vor?
- Brauchen Sie einen Master, um Steuerberater:in zu werden?
- Was lernen Sie im Studium nicht?
- Welche Fehler machen angehende Steuerberater:innen bei der Studienwahl?
- Fazit
- Häufige Fragen zum Studium für die Steuerberatung
Welches Studium verlangt das Gesetz für Steuerberater:innen in Österreich?
Die formale Anforderung ist kürzer, als viele erwarten: ein facheinschlägiges Hochschul- oder Fachhochschulstudium mit mindestens 180 ECTS. Zwei Begriffe entscheiden dabei alles.
180 ECTS entsprechen einem Bachelor in Regelstudienzeit. Einen Master brauchen Sie für die Zulassung zur Fachprüfung nicht. Wer Ihnen erzählt, Sie „brauchen“ ihn, verwechselt die Rechtslage mit der Kanzleikultur. Dazu später mehr.
Facheinschlägig ist der Teil mit Auslegungsspielraum. Gemeint sind Studien, die Ihnen die fachlichen Grundlagen für den Beruf mitgeben. Als facheinschlägig gelten vor allem Rechtswissenschaften sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Andere Studien können anerkannt werden, wenn genug Anrechnungspunkte aus diesen Fachgebieten stammen: als Richtwert mindestens 90 ECTS.
Die 18 Monate Praxiszeit müssen Sie übrigens nicht zwingend in einer Kanzlei sammeln: Auch 18 Monate als Revisionsanwärter:in bei einem anerkannten Revisionsverband zählen.
Fällt Ihr Wunschstudium nicht klar in diese Richtungen (etwa Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspädagogik oder ein internationaler Abschluss), dann holen Sie sich vor der Inskription eine schriftliche Auskunft der KSW-Prüfungsabteilung. Vorher, nicht nachher. Drei Jahre in einen Abschluss zu investieren, der am Ende nicht zählt, ist der teuerste Fehler auf diesem Weg.
Welche Studienrichtung passt am besten zur Fachprüfung?
Messen Sie jede Studienwahl an dem, was am Ende geprüft wird. Die Fachprüfung besteht aus vier schriftlichen Klausuren: Betriebswirtschaftslehre; Rechnungslegung und externe Finanzberichterstattung; Rechtslehre; und Abgabenrecht (in zwei Teilklausuren). Dazu kommt eine mündliche Prüfung. Die Reihenfolge der Klausuren wählen Sie frei. An diesen vier Fächern gemessen schneiden die Studienrichtungen sehr unterschiedlich ab:
| Studienrichtung | Deckt gut ab | Typische Lücke | Passt, wenn Sie … |
|---|---|---|---|
| BWL, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Universität) | Betriebswirtschaftslehre, Rechnungslegung | Abgabenrecht, Verfahrens- und Finanzstrafrecht | sich Steuerfächer aktiv dazuholen |
| Wirtschaftsrecht | Rechtslehre, juristische Methodik fürs Abgabenrecht, solide BWL-Basis | vertiefte Bilanzierung | die Fachprüfung von Anfang an im Blick haben |
| Rechtswissenschaften (Jus) | Rechtslehre, Verfahrens- und Finanzstrafrecht | Rechnungslegung, BWL | juristisch arbeiten wollen, etwa in Umgründungen oder internationalem Steuerrecht |
| FH-Studium, berufsbegleitend | Praxisbezug, parallele Berufsanwärterzeit möglich | teils kleineres Wahlfachangebot | früh in die Kanzlei wollen |
| Bachelor Professional Tax Management (Hochschule Campus Wien) | exakt auf Kanzleialltag und Prüfungsfächer zugeschnitten | junges Programm, wenig Vergleichswerte | ohne klassisches Vollzeitstudium oder als Quereinsteiger:in starten |
BWL, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Universität)
- Deckt gut ab
- Betriebswirtschaftslehre, Rechnungslegung
- Typische Lücke
- Abgabenrecht, Verfahrens- und Finanzstrafrecht
- Passt, wenn Sie …
- sich Steuerfächer aktiv dazuholen
Wirtschaftsrecht
- Deckt gut ab
- Rechtslehre, juristische Methodik fürs Abgabenrecht, solide BWL-Basis
- Typische Lücke
- vertiefte Bilanzierung
- Passt, wenn Sie …
- die Fachprüfung von Anfang an im Blick haben
Rechtswissenschaften (Jus)
- Deckt gut ab
- Rechtslehre, Verfahrens- und Finanzstrafrecht
- Typische Lücke
- Rechnungslegung, BWL
- Passt, wenn Sie …
- juristisch arbeiten wollen, etwa in Umgründungen oder internationalem Steuerrecht
FH-Studium, berufsbegleitend
- Deckt gut ab
- Praxisbezug, parallele Berufsanwärterzeit möglich
- Typische Lücke
- teils kleineres Wahlfachangebot
- Passt, wenn Sie …
- früh in die Kanzlei wollen
Bachelor Professional Tax Management (Hochschule Campus Wien)
- Deckt gut ab
- exakt auf Kanzleialltag und Prüfungsfächer zugeschnitten
- Typische Lücke
- junges Programm, wenig Vergleichswerte
- Passt, wenn Sie …
- ohne klassisches Vollzeitstudium oder als Quereinsteiger:in starten
Der Standardweg sind die wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor der Universitäten (WU Wien, JKU Linz, Uni Graz, Uni Innsbruck, Uni Salzburg): unstrittig facheinschlägig, stark in Rechnungswesen, Kostenrechnung und Finanzierung. Ohne bewusst gewählten Steuerschwerpunkt bleibt aber genau das Fach dünn, das als schwierigstes der Fachprüfung gilt.
Wirtschaftsrecht (etwa an der WU Wien oder der JKU Linz) ist der unterschätzte Mittelweg: juristische Argumentation fürs Abgabenrecht, betriebswirtschaftliche Basis für den Rest. Wer die Fachprüfung von Beginn an mitdenkt, findet hier oft die beste Passung. Die vertiefte Bilanzierung müssen Sie sich aber aktiv dazuholen.
Jus liefert unschlagbare juristische Methodik und ist der Weg vieler späterer Spezialist:innen für Umgründungen, internationales Steuerrecht und Finanzstrafrecht. Rechnungslegung und Betriebswirtschaft kommen im Studium kaum vor; diese Lücke ist aufholbar, aber sie ist Arbeit. Ein Detail, das kaum jemand kennt: Ein Jahr als Rechtsanwaltsanwärter:in oder Notariatskandidat:in wird auf die dreijährige Berufsanwärterzeit angerechnet. Der Umweg über eine Rechtsanwaltskanzlei ist also nicht ganz verloren.
FH-Studien in Betriebswirtschaft, Accounting oder Steuern sind bei passender Ausrichtung facheinschlägig und oft berufsbegleitend. Genau das ist ihr größter Trumpf: Sie können parallel als Berufsanwärter:in gemeldet sein und Praxiszeit sammeln (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
Seit 2023 gibt es außerdem den Bachelor Professional Tax Management an der FH Campus Wien, entwickelt mit der Akademie der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (ASW): berufsbegleitend in sechs Semestern, die ersten beiden an der ASW mit den Diplomen Buchhaltung und Bilanzbuchhaltung, Standorte Wien und Salzburg. Die KSW vergibt dafür Stipendien von je 7.350 Euro; Voraussetzung ist unter anderem ein aufrechtes Dienstverhältnis bei einem Kammermitglied. Das Programm steht auch Personen ohne Matura mit einschlägiger Berufsqualifikation offen. Darauf aufbauend gibt es das Masterstudium Tax Management, das mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung voraussetzt.
Können Sie Steuerberater:in werden, ohne zu studieren?
Ja. Sie werden auch ohne Studium zur Fachprüfung zugelassen, wenn Sie nach Ihrer öffentlichen Bestellung als Bilanzbuchhalter:in mindestens dreieinhalb Jahre hauptberuflich in diesem Beruf gearbeitet haben, selbstständig oder angestellt. In Studienratgebern wird dieser Weg gern verschwiegen. Dabei ist er ein regulärer, gesetzlich vorgesehener Zugang und gilt in Kanzleien nicht als zweite Klasse.
Eine wichtige Einschränkung: Für die Bestellung als Wirtschaftsprüfer:in brauchen Sie spätestens zum Bestellungszeitpunkt ein facheinschlägiges Studium. Der studienfreie Weg führt also zur Steuerberatung, nicht zur Wirtschaftsprüfung. Wie viel Ihrer Bilanzbuchhalter-Praxis auf die nötige Praxiszeit angerechnet wird, klären Sie am besten direkt mit der KSW.
Sinnvoll ist dieser Weg vor allem, wenn Sie schon im Rechnungswesen arbeiten, keine Matura haben oder als Quereinsteiger:in mit 35 nicht mehr jahrelang in den Hörsaal wollen.
Warum sollten Sie schon während des Studiums Berufsanwärter:in werden?
Das ist der Abschnitt, den Sie sich merken sollten, wenn Sie den Rest vergessen: Ein abgeschlossenes Studium ist keine Voraussetzung, um Berufsanwärter:in zu werden. Sie brauchen dafür nur die Matura (oder eine gleichgestellte Berechtigung wie die FH-Zulassung) und eine fachliche Tätigkeit von mindestens 20 Wochenstunden bei einer:einem Berufsberechtigten. Die Praxiszeit beginnt mit Ihrer Anmeldung bei der KSW. Das Studium brauchen Sie erst für die Zulassung zur Fachprüfung.
Die Konsequenz ist erheblich, in Monaten gerechnet:
| Zeitpunkt | Weg A: erst Studium, dann Kanzlei | Weg B: parallel |
|---|---|---|
| Monat 0 | Studienbeginn | Studienbeginn |
| Monat 24 | drittes Studienjahr beginnt | Kanzleieinstieg mit 20 Wochenstunden, sofortige Anmeldung als Berufsanwärter:in bei der KSW |
| Monat 36 | Bachelorabschluss, danach Bewerbungsphase | Studium läuft weiter, durch den Teilzeitjob etwas gestreckt |
| Monat 38 | Kanzleieinstieg und Anmeldung als Berufsanwärter:in, die Praxiszeit beginnt erst jetzt | Praxiszeit läuft bereits seit 14 Monaten |
| Monat 42 | Praxiszeit: erst vier Monate | Bachelorabschluss, 18 Monate Praxiszeit erreicht, Zulassungsantrag möglich |
| Monat 44 bis 56 | Praxiszeit läuft, Zulassung erst ab Monat 56 möglich | Klausuren und mündliche Prüfung |
| Monat 60 | Klausurenphase beginnt gerade | drei Jahre Praxiszeit voll: Bestellung und Angelobung möglich |
| Monat 74 | frühestmögliche Bestellung | Sie sind seit gut einem Jahr Steuerberater:in |
Monat 0
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Studienbeginn
- Weg B: parallel
- Studienbeginn
Monat 24
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- drittes Studienjahr beginnt
- Weg B: parallel
- Kanzleieinstieg mit 20 Wochenstunden, sofortige Anmeldung als Berufsanwärter:in bei der KSW
Monat 36
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Bachelorabschluss, danach Bewerbungsphase
- Weg B: parallel
- Studium läuft weiter, durch den Teilzeitjob etwas gestreckt
Monat 38
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Kanzleieinstieg und Anmeldung als Berufsanwärter:in, die Praxiszeit beginnt erst jetzt
- Weg B: parallel
- Praxiszeit läuft bereits seit 14 Monaten
Monat 42
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Praxiszeit: erst vier Monate
- Weg B: parallel
- Bachelorabschluss, 18 Monate Praxiszeit erreicht, Zulassungsantrag möglich
Monat 44 bis 56
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Praxiszeit läuft, Zulassung erst ab Monat 56 möglich
- Weg B: parallel
- Klausuren und mündliche Prüfung
Monat 60
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- Klausurenphase beginnt gerade
- Weg B: parallel
- drei Jahre Praxiszeit voll: Bestellung und Angelobung möglich
Monat 74
- Weg A: erst Studium, dann Kanzlei
- frühestmögliche Bestellung
- Weg B: parallel
- Sie sind seit gut einem Jahr Steuerberater:in
Der Unterschied beträgt in diesem Beispiel gut ein Jahr; wer schon Mitte des zweiten Studienjahrs einsteigt, holt bis zu eineinhalb Jahre heraus. Keinen anderen Hebel haben Sie auf diesem Weg so einfach selbst in der Hand.
Drei Dinge müssen Sie dabei beachten:
- Die Stundengrenze ist hart. Wer im Prüfungsstress unter 20 Wochenstunden reduziert, verliert die Berufsanwärter-Eigenschaft und stoppt damit die laufende Praxiszeit. Änderungen Ihres Stundenausmaßes müssen Sie der KSW binnen eines Monats melden. Außerdem muss die Tätigkeit hauptberuflich sein: Nichts anderes darf mehr Raum einnehmen.
- Praxiszeit zählt erst ab der Anmeldung, nicht ab Arbeitsbeginn. Auf die 18 Monate bis zur Prüfungszulassung werden auch keine Vordienstzeiten angerechnet. Wer ein Jahr in der Kanzlei jobbt, bevor er:sie sich anmeldet, hat dieses Jahr verschenkt.
- Seien Sie ehrlich zu sich. 20 Kanzleistunden plus Vollzeitstudium sind ein harter Takt. Wer dafür das Studium um zwei Jahre streckt, hat unterm Strich wenig gewonnen. Der Weg funktioniert, wenn Sie ihn planen, nicht, wenn er Ihnen passiert.
Fürs Timing wichtig: Den Zulassungsantrag zur Fachprüfung stellen Sie rund zwei Monate vor dem gewünschten Termin, und Ihre Praxiszeit muss spätestens zehn Tage vor dem Klausurtermin erfüllt sein. Alles Weitere zu Anmeldung, Fristen und Anrechnung behandelt der ausführliche Guide zur Berufsanwärterzeit.
Welche Lehrveranstaltungen bereiten wirklich auf die Fachprüfung vor?
Die Studienwahl ist die grobe Weichenstellung, die Kurswahl innerhalb des Studiums die feine. Nehmen Sie die vier Klausuren als Landkarte und planen Sie rückwärts.
Für Abgabenrecht (das gefürchtetste Fach):
- Einkommensteuer-, Körperschaftsteuer- und Umsatzsteuerrecht als eigenständige Lehrveranstaltungen, nicht als Kapitel eines Überblickskurses
- Internationales Steuerrecht und Doppelbesteuerungsabkommen
- Umgründungssteuerrecht, wenn irgend möglich
- Abgabenverfahrensrecht und Finanzstrafrecht: die häufigste Lücke überhaupt, in Wirtschaftsstudien fast nie Pflicht, aber Prüfungsstoff
Für Rechnungslegung und externe Finanzberichterstattung:
- Bilanzierung nach UGB, vertieft
- IFRS und Konzernrechnungslegung
- Wirtschaftsprüfung, falls angeboten
Für Rechtslehre:
- Unternehmens- und Gesellschaftsrecht
- Zivilrecht sowie Arbeits- und Sozialrecht
- Insolvenzrecht
Für Betriebswirtschaftslehre:
- Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling
- Investition, Finanzierung, Unternehmensbewertung
Die Faustregel: Wählen Sie Wahlfächer dort, wo Ihr Studium schwach ist, nicht dort, wo es Ihnen leichtfällt. Wer aus Bequemlichkeit lieber noch ein Controlling-Wahlfach nimmt, statt sich ins Abgabenverfahrensrecht zu quälen, verbessert seine Noten und verschlechtert seine Prüfungschancen. Was je Klausur konkret verlangt wird, zeigen die Lehrpläne der ASW.
Brauchen Sie einen Master, um Steuerberater:in zu werden?
Nein. Der Bachelor mit 180 ECTS reicht; die Master-Frage ist eine strategische, keine rechtliche. Und sie hat zwei ehrliche Seiten.
Für den Bachelor spricht: Sie kommen früher in die Kanzlei, verdienen früher, und Ihre Praxiszeit läuft. Hat Ihr Bachelor schon einen starken Steuerschwerpunkt, bringt der Master fachlich wenig Neues. Die Prüfungsvorbereitung tragen ohnehin die ASW-Kurse und Ihr Eigenstudium.
Für den Master spricht: Ein spezialisierter Master in Steuerrecht, Rechnungslegung oder Tax Management deckt genau die Inhalte tief ab, die Ihnen in der Prüfung begegnen. Was Sie dort ins Steuerrecht investieren, sparen Sie sich teils bei der Vorbereitung.
Der Mittelweg, den viele gehen: Bachelor abschließen, sofort als Berufsanwärter:in anmelden und den Master berufsbegleitend machen. So läuft die Praxiszeit, das Gehalt läuft, und die Vertiefung kommt trotzdem. Achten Sie nur darauf, dass Ihre Kanzleistunden nicht unter 20 rutschen.
Was der Master ausdrücklich nicht ist: eine Abkürzung durch die Prüfung. Kein Studienabschluss ersetzt eine Klausur. Kein Master, wie gut auch immer, erlässt Ihnen einen einzigen Prüfungsteil.
Was lernen Sie im Studium nicht?
Diese Erwartung sollten Sie früh korrigieren: Kein Studium bereitet Sie vollständig auf die Fachprüfung vor. Das ist keine Kritik an den Hochschulen, sondern eine Systemeigenschaft, denn die Fachprüfung testet die Fähigkeit, mehrschichtige Praxisfälle unter Zeitdruck strukturiert zu lösen, kein akademisches Verständnis.
Konkret fehlt fast immer viererlei. Erstens die Fallbearbeitung im Klausurformat: Hochschulprüfungen sind selten dreistündige Fallklausuren mit verzahnten Teilfragen. Zweitens die Aktualität, weil sich das Steuerrecht jährlich ändert und Ihr Wissen aus dem dritten Semester bei der Prüfung teils überholt ist. Drittens Verfahrensrecht und Finanzstrafrecht, die klassische Lücke. Und viertens die Verzahnung der Fächer: In der Prüfung greifen Rechnungslegung und Abgabenrecht ineinander (Stichwort Mehr-Weniger-Rechnung), im Studium bleiben sie zwei getrennte Welten.
Das Studium ist also Eintrittskarte und Fundament, nicht die Vorbereitung. Die leisten ASW-Kurse, Eigenstudium und Kanzleipraxis.
Welche Fehler machen angehende Steuerberater:innen bei der Studienwahl?
Die Facheinschlägigkeit nicht vorab prüfen. Der teuerste Fehler, weil er kaum reparabel ist. Liegt Ihr Studium in der Grauzone, holen Sie sich vor der Inskription die schriftliche Auskunft der KSW.
Wahlfächer nach Aufwand statt nach Lücken wählen. Der Klassiker: dem Steuerrecht ausweichen, weil es als schwer gilt. Genau dieses Ausweichen bezahlen Sie später bei der Klausur Abgabenrecht, mit Zinsen.
Das Studium isoliert vom Berufseinstieg planen. Wer erst nach dem Abschluss überlegt, wie es weitergeht, hat bis zu eineinhalb Jahre Praxiszeit verschenkt, die parallel hätten laufen können.
Den Master als Pflicht behandeln. Er ist eine Option mit guten Argumenten. Nötig ist er nicht, und ein Jahr früher in der Kanzlei ist ein Jahr früher fertig.
Den Bilanzbuchhalter-Weg pauschal ausschließen. Für Praktiker:innen ohne Matura oder Studienneigung ist er kein Notnagel, sondern ein regulärer Zugang.
Fazit
Drei Hebel entscheiden diese Phase, alles andere ist Feinschliff. Erstens: Klären Sie die Facheinschlägigkeit schriftlich mit der KSW, bevor Sie inskribieren, nicht erst vor der Prüfungsanmeldung. Zweitens: Wählen Sie Wahlfächer gegen Ihre strukturellen Lücken; wer aus der BWL kommt, holt sich Abgaben- und Verfahrensrecht dazu, wer aus Jus kommt, die Bilanzierung. Drittens: Gehen Sie spätestens ab dem dritten Studienjahr mit 20 Wochenstunden in eine Kanzlei und melden Sie sich sofort als Berufsanwärter:in an. Diese eine Entscheidung ist mehr wert als jede Debatte über die perfekte Hochschule.
Häufige Fragen zum Studium für die Steuerberatung
Zählt ein ausländisches Studium für die Fachprüfung in Österreich?
Ein ausländisches Hochschulstudium kann anerkannt werden, wenn es facheinschlägig ist und mindestens 180 ECTS umfasst. Ob das zutrifft, entscheidet die KSW im Zulassungsverfahren. Lassen Sie sich die Facheinschlägigkeit vor allem bei Abschlüssen außerhalb der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften vorab schriftlich bestätigen. Vorsicht bei deutschen Quellen: Das deutsche Steuerberaterexamen folgt eigenen Regeln, die in Österreich nicht gelten.
Können Sie die Fachprüfung schon vor dem Studienabschluss antreten?
Nein. Ohne abgeschlossenes facheinschlägiges Studium (oder den Bilanzbuchhalter-Zugang) gibt es keine Zulassung zur Fachprüfung. Zusätzlich brauchen Sie mindestens 18 Monate Praxiszeit als Berufsanwärter:in. Den Zulassungsantrag stellen Sie rund zwei Monate vor dem gewünschten Termin, und die Praxiszeit muss spätestens zehn Tage vor dem Klausurtermin erfüllt sein.
Werden Vordienstzeiten wie Rechtsanwaltsanwärterjahre auf die Berufsanwärterzeit angerechnet?
Ja, teilweise. Zeiten als Rechtsanwaltsanwärter:in, Notariatskandidat:in oder im rechtskundigen Dienst der Finanzprokuratur werden mit höchstens einem Jahr je Kategorie angerechnet, insgesamt höchstens eineinhalb Jahre. Teilzeit zählt dabei nur anteilig, und bereits angerechnete Zeiten zählen kein zweites Mal. Auf die 18 Monate bis zur Prüfungszulassung wirkt diese Anrechnung nicht. Sie gilt nur für die dreijährige Praxiszeit bis zur Bestellung.
Brauchen Sie die Matura, um sich als Berufsanwärter:in anzumelden?
Ja. Für die Berufsanwärter-Eigenschaft brauchen Sie die Matura oder eine gleichgestellte Berechtigung; die FH-Zulassung und die Berufsreifeprüfung genügen ebenfalls. Ein abgeschlossenes Studium ist dagegen keine Bedingung. Das brauchen Sie erst für die Zulassung zur Fachprüfung. Wer keine dieser Voraussetzungen erfüllt, kann über den Bilanzbuchhalter-Weg in die Steuerberatung einsteigen.
Was ist der Unterschied zwischen Berufsanwärter:in und Steuerassistent:in?
Berufsanwärter:in ist ein bei der KSW registrierter Status, mit dem Ihre gesetzliche Praxiszeit für Fachprüfung und Bestellung zu laufen beginnt. Steuerassistenz ist dagegen ein Lehrberuf beziehungsweise eine Jobbezeichnung ohne diesen Rechtsstatus. Wer in einer Kanzlei arbeitet, aber nicht bei der KSW angemeldet ist, sammelt keine Berufsanwärterzeit, egal, wie einschlägig die Tätigkeit ist. Für die Anmeldung brauchen Sie unter anderem eine Bestätigung Ihres Dienstgebers über Art und Ausmaß Ihrer Tätigkeit.
Wie lange dauert es vom Studienbeginn bis zur Bestellung als Steuerberater:in?
Realistisch dauert der Weg vom Studienbeginn bis zur Bestellung rund fünf bis sechs Jahre, wenn Sie Studium und Berufsanwärterzeit parallel führen, und eher sechs bis sieben Jahre, wenn Sie beides nacheinander machen. Fix vorgegeben sind nur die Bausteine: ein Studium mit mindestens 180 ECTS, 18 Monate Praxiszeit bis zur Prüfungszulassung und insgesamt drei Jahre Praxiszeit bis zur Bestellung.
Gibt es eine Frist, bis wann Sie die Fachprüfung abschließen müssen?
Ja. Für das gesamte Fachprüfungsverfahren gilt ab der Zulassung eine Frist von sieben Jahren, die sich auf Antrag unterbrechen lässt. Planen Sie Ihre Klausuren deshalb nicht beliebig weit auseinander, sondern mit einem realistischen Enddatum. Das Formular zur Unterbrechung und verbindliche Details bekommen Sie bei der Prüfungsabteilung der KSW.
Brauchen Sie für die Wirtschaftsprüfung ein anderes Studium als für die Steuerberatung?
Nein, die Studienanforderung ist dieselbe: ein facheinschlägiges Studium mit mindestens 180 ECTS. Zwei Unterschiede zählen trotzdem: Für die Bestellung als Wirtschaftsprüfer:in ist das Studium zwingend nachzuweisen, einen studienfreien Weg gibt es dort nicht. Und von der dreijährigen Praxiszeit müssen mindestens zwei Jahre hauptberuflich wirtschaftsprüfende Tätigkeit sein.
Wird ein Master oder Doktorat auf die Klausuren der Fachprüfung angerechnet?
Nein. Im Prüfungsverfahren ersetzt kein akademischer Abschluss eine Klausur, auch kein spezialisierter Master und kein Doktorat. Ein passender Master verkürzt Ihnen die Vorbereitung, aber eben die Vorbereitung, nicht die Prüfung.
Können Sie mit einem Vollzeitjob im Rechnungswesen eines Unternehmens Praxiszeit sammeln?
Nein. Berufsanwärterzeit entsteht nur durch fachliche Tätigkeit bei einer:einem Berufsberechtigten, also in einer Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungskanzlei, mit mindestens 20 Wochenstunden. Rechnungswesen-Jobs in Industrie oder Handel zählen nicht als Praxiszeit. Sie kommen höchstens als Vordienstzeit mit bis zu einem Jahr in Frage; darüber entscheidet die KSW im Einzelfall.
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